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© Alexander Hauk Bayern Nachrichten Pixelio

Billiger Atomstrom dank wettbewerbsverzerrender Subventionspolitik

September 6th, 2009 · Keine Kommentare

Am 25. Juni erhielt ich eine Pressemitteilung des Koordinators für Energiefragen der CDU, Joachim Pfeiffer. Er war vor seiner politischen Karriere Angestellter der Energie-Versorgung Schwaben AG, einer Vorgänger-Gesellschaft der EnBW.

Kernkraft schont Umwelt und Geldbeutel

Ökoinstitut-Studie erwartet kurzfristig einen preisdämpfenden Effekt von 5-10 Euro pro Megawattstunde


Ohne eine Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke müssten die Kapazitäten durch neue Kraftwerke, vermutlich Gaskraftwerke, mit höheren Stromgestehungskosten ersetzt werden. Dies bedeutet, dass ohne eine Laufzeitverlängerung die Strompreise stärker ansteigen werden. Das stellt auch – entgegen anderen Behauptungen – das Ökoinstitut fest. Die Studie erwartet kurzfristig einen preisdämpfenden Effekt von 5-10 Euro pro Megawattstunde.

Das Gutachten „Ökonomische Auswirkungen alternativer Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland“, erstellt vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) und dem Energy Environment Forecast Analysis GmbH, Berlin (EEFA) aus dem Jahr 2005, kommt zu einem ähnlichen Schluss. Laut der Studie kommt es bei einer KKW-Gesamtbetriebszeit von 40 Jahren zu Strompreisminderungen von 11 Prozent, bei einer Betriebszeit von 60 Jahren sogar um bis zu 24 Prozent.
Die erneute Diskussion um die Energiepreise, die Auswirkungen des Klimawandels und der ständig schwelende Gaskonflikt zwischen der Ukraine und Russland zeigen wiederholt, dass die Energieversorgung nie allein aus einer Perspektive betrachtet werden darf. Das Preisargument allein reicht für eine sachliche Energiepolitik nicht aus. Wirtschaftlichkeit und Verlässlichkeit der Energieversorgung dürfen auf dem Weg zu Energieeffizienz und Energieinnovationen nicht auf der Strecke bleiben. Der von der rot-grünen Bundesregierung mit den Energieversorgern verhandelte Ausstieg aus der Kernkraftnutzung weckt solche Zweifel. Es sollen Stromerzeugungskapazitäten stillgelegt werden, für die kein ausreichender, grundlastfähiger und klimaschonender Ersatz in Sicht ist.
Uran ist ein radioaktives Metall. Das bringt mit sich, dass es abgebaut werden muss. Bereits dieser Abbau ist umwelt- und klimaschädlich. Dasselbe gilt für Transport, Lagerung und Endlagerung.
Wie alle abbaubaren Energielieferanten ist Uran eine endliche Ressource. Die OECD Nuclear Energy Agency erstellt alle zwei Jahre einen Bericht über die entdeckten Vorkommen und den Verbrauch des Urans. Danach dürften die Uranvorkommen noch bis zu 100 Jahren ausreichen, wenn der jährliche Verbrauch auf dem Niveau von 2006 verbleibt. (siehe S. 88 f.) Das wird er natürlich nicht, wenn mehr Kernkraftwerke gebaut als stillgelegt werden. Um tatsächlich den Klimawandel aufzuhalten, braucht es wesentlich mehr Kernkraftwerke, was, abgesehen davon dass es die Ressourcen entsprechend mindert, das Risiko von Atomunfällen, Terroranschlägen und neuen Atommächten wesentlich erhöht.
Die Minderung der Ressourcen hat natürlich auch zur Folge, dass die Preise sich entsprechend erhöhen können, sobald die Konkurrenz am Weltmarkt nachlässt oder es zu Krisen kommt. Das ist nicht unwahrscheinlich, denn Deutschland bezieht sein Uran in erster Linie aus Russland. Bedeutende Vorkommen finden ich auch in Niger, Kasachstan, Südafrika und Namibia. Alles Länder, bei denen nicht von “Versorgungssicherheit” gesprochen werden kann. Aber selbstverständlich verfügen auch Kanada, Brasilien und Australien über hohe Vorkommen.
Eine weitere Verschiebung des Energieträgermixes zu Gunsten von Erdgas durch Verzicht auf Kohle und Kernenergie erhöht die Abhängigkeit von Russland, die Preise steigen und eine Stromlücke wird wahrscheinlicher. Erneuerbare Energien werden, trotz des ehrgeizigen Ausbaus, auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, diese Lücke allein zu schließen.
Die Laufzeiten der in Deutschland in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke müssen deshalb auf das betriebswirtschaftlich übliche Maß unter Wahrung der vorgeschriebenen Sicherheitsstandards verlängert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch die Bereitschaft der Energieversorgungsunternehmen, den größten Teil des zusätzlichen Gewinns für die Entlastung der Bürger und für einen Fonds für Forschung im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz bereitzustellen. Zudem werden wir dabei auf die Wettbewerbsneutralität achten, damit keine Unsicherheiten für das marktliche Umfeld entstehen.
Nicht gegeneinander, sondern miteinander ist bei der Energieversorgung der richtige Ansatz. Statt die Energieträger gegeneinander auszuspielen, setzt die Union auf einen breiten Mix. Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke, Ausbau der Erneuerbaren Energien, Effizienzsteigerungen und Investitionen in moderne konventionelle Kraftwerke bieten die Chance, bis 2020 über 60 Prozent des Stroms CO2-frei zu produzieren – und das unabhängig und bezahlbar.

Wir bleiben auch dann von Importen abhängig, wenn wir die Atomkraftwerke weiter laufen lassen. Denn sowohl der Steinkohle- als auch der Uranabbau sind in Deutschland keine nennenswerten Größen mehr. Darüber ist man in den betroffenen Regionen auch heilfroh.
Eine leider nicht unabhängige Studie des Forums ökologisch-soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace legt jedoch nahe, weshalb der Atomstrom in Deutschland billiger ist: Der Staat subventioniert massiv die Atomenergie und verzerrt so den Markt. Einerseits heucheln Parteien wie die CDU also, mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt schaffen zu wollen, andererseits fördern sie die von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnte Atomenergie.

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Tags: Allgemein

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